Wolfgang Ambros - symphonisch

 

Ambros klein

Die Geschichte der Album-Produktionen von Wolfgang Ambros traf sich auf vielen Wegen mit der Orchestermusik und immer dann wenn es zu diesen Berührungen kam, war Christian Kolonovits mit dabei. Am Klavier, als Arrangeur als jemand der die musikalischen Wurzeln der Wienerstadt in diese, ihrer eigenen Art von Popmusik holte. ‚Du schwoaza Afghane‘ oder ‚Weiss wie Schnee‘ – allesamt Lieder welche mit den damals gängigen Rock-

Playbacks so gar nicht vergleichbar waren. Titel waren es, die den Zeitgeist der 70er atmeten und sowohl vom Text als auch von der Interpretation ein Fenster in die Seele des Wolfgang Ambros waren. Man konnte bei so gut wie allen Ambros-Alben spüren, wie der Mensch zum Zeitpunkt der Produktion drauf war. Von stürmisch bis zufrieden, von philosophisch bis depressiv und abgeklärt. ‚Du schwoaza Afghane‘ – oder ‚Heroinspaziert‘ war damals, 1976, eine Provokation. ‚Obwohl niemand von uns auf H war, wussten wir dass wir provozieren würden‘, erinnert sich Kolonovits und in der Tat, sprang halb Wien im Kreis. Die einen weil sie es witzig fanden, die anderen riefen nach der Polizei. Aber das Werk an sich, es stand schon damals längst außerhalb der gängigen Rock-Klischees und wahrscheinlich ergab sogar dies die Magie und damit die Zündschnur der Aufregung. Wäre es ein einfacher Rockhadern gewesen, na gut, es hätte als ‚Blöde Langhaarigen-Musik‘ von der Kritik abgebucht werden können. So aber, mit all diesen Kurven die das Arrangement fuhr, mit all dem das da auch außerhalb des Textes drin steckte und das immer wieder als ‚aufgenommener Drogenrausch‘ apostrophiert wurde, ging das einfach nicht mehr.  

Im Zuge der Aufnahmen des Herrn Ambros die sich dem Werk des Herrn Moser annahmen, konnte man bereits die Schwingungen spüren, wie es sich anfühlen würde, wenn der Mann statt mit einem Kammerorchester mit einem Symphonieorchester musizieren würde. Es war bereits beim Moser so, dass die Art der Interpretation der Lieder eine Art ‚Altersmilde‘ spüren ließ. Ambros ging aggressionsfrei an die Umsetzung der Texte ran. Ja, man kann es sogar fürsorglich nennen und heraus kamen zwei grandiose Werke. Kennt man nun die ewig lange Liste der Coverversionen welche von den großen Ambros-Hits existieren, dann hätte es in der Tat nur diesen einen – wirklich glaubwürdigen - Zugang geben dürfen, die eine Neuaufnahme der Lieder seitens des Originalinterpreten auch wirklich gerechtfertigt hätten und nicht den Geschmack des Auszuzelns in sich trügen.

‚ultimativ symphonisch‘ ist nicht ‚Ambros macht auf Klassisch‘ sondern er hat endlich jene Menge an Geigen die er sich immer gewünscht hatte und 

klar ist auch, dass so eine Produktion auch nur in einem  neuen Jahrtausend authentisch sein kann. Jene Kids die seinerzeit in der ‚Camera‘ oder im ‚Voom‘ hockten, die haben heute auch ihre Abos fürs Volkstheater oder hocken im Porgy. Die Zeit bringt‘s mit sich dass sich irgendwann der frühe Sturm der Jugend legt und nur mehr jener im Glas zurückbleibt und auch der entweder zu Wein oder zu Essig wird. Hört man Wolfgang Ambros heute in diesem symphonischen Arrangement, dann ist es dem Produzenten Christian Kolonovits zu danken, dass da kein Rock-Schlagzeug und keine Band mitfudelt sondern die Lieder ins symphonische Heute geholt wurden. Es ist kein Versuch auf ‚Night Of The Proms‘ zu machen sondern auf seine Art eine zärtliche Herangehensweise an das Früher. ‚Heroinspaziert‘ fehlt die einstige Aggressivität, der Spott aufs Establishment und so wandelt sich das Lied zu einem Rückblick in den Strudel von 1976. Wolfgang Ambros singt es auf seine Art zärtlich: Schnoddrig-liebevoll, mit dem Respekt im Leib die Zeit und das Leben die 33 Jahre danach gut über die Runden gebracht zu haben. Natürlich kommt der Mann nicht nach all den Jahren als geläuterter Abstinenzler daher…Wie auch, der Mann ist so wie er ist. Er hat einmal zu mir gesagt ‚er wäre wie ein Baum, ein fest verwurzelter, gerade gewachsener Baum‘. Und solche Bäume kriegt niemand mehr aus der Erde und setzt sie woanders hin. Man kann drauf schauen dass der saure Regen nicht viel kaputt macht, aber sonst sollte man den Baum tunlichst so lassen wie er ist.

Wolfgang Ambros„ultimativ symphonisch“ ist ein Liederbogen von 14 der größten Hits. Na gut, eine Ausnahme: ‚Die bestn Liada‘ waren nie ein Hit, aber was für ein großartiger Titel ist er! Man kennt die Songs allesamt, findet lustig wie aus ‚Schifoan‘ die Rustikalität gezogen wurde und stattdessen eine andere Form der Groove gesetzt wurde. ‚Es lebe der Zentralfriedhof‘, ‚Weiss wie Schnee‘, ‚Du bist wia de Wintasun‘…man kennt sie und liebt diese Lieder. Ist mit ihnen erwachsen geworden und die schnoddrige Zärtlichkeit die der Interpret seinen Lieder angedeihen lässt ist auf ihre Art einfach wunderbar.

Wolfgang Ambros war immer dann am besten, wenn er so sein konnte wie er war, wie er ist und sich keinen Trends unterwerfen musste. ‚ultimativ symphonisch‘ ist das Missing Link zwischen 1971 und 2017 – von den Hammond-Arien über  ‚Ambros Pur‘ bis heute. Es schließt den Kreis und da der Titel ‚Heut drah i mi ham‘ nicht auf der CD ist, könnte eine Fortsetzung folgen. Bitte, danke .

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