Kimkoi und die pure Kraft der Poesie

 

flyer bruderkuss web Endlich ist es da:  "Mixtape", zweites Album der Thüringer Poesiefabrik. Erneut schafften sie es in die "Liederbestenliste"  und ab sofort sind Lars und Michel damit auf Tour.

Und was erwartet den geneigten Hörer auf Platte wie live ? - Die Selbstbeschreibung des Duos lässt - neben großer Hingabe und hehrem musikalischem Anspruch - zunächst auch poetisch-pathetisches Songwriting vermuten: „Nichts ist zu unbedeutend, wenn es uns bewegt. Die stetige Suche nach sich selbst und dem ewigen Scheitern, gepaart mit dem kompromisslosen Drang, sich musikalisch grenzenlos auszutoben und unbewusst, bewusst neue Wege zu finden. Angetrieben von dem Gefühl, in diesem Leben verdammt nichts lieber tun zu wollen, zu nichts anderem brauchbar zu sein, als Musik zu schreiben und zu spielen, wurde seit 2013 liebevoll am ersten Werk gearbeitet.“
Poetisch ja – Songwriting auch. Pathos? Nun ja, ein wenig. Doch was „Mixtape“, das bald erscheinende neue Album des Duos, vor allem ausmacht: literarisch wertvolle, gut geschriebene deutsche Texte, die man auch unmittelbar versteht. Zugängliches und melodievolles, nie kitschiges Songwriting. Zwei sonore, recht unterschiedliche Männerstimmen: ein in sich ruhender Bass und ein etwas hellerer, roher Rockbariton, beide angenehm kantig und ausdrucksstark. Und eine sehr klangvolle, differenzierte Produktion. Keine Füllwerke, sondern ausnahmslos in sich stimmige, rundgeschliffene Song-Perlen, vielfach mit Radio-Appeal, stets mit klarer An- und Aussage. Und eine große Stilpalette, die das Songwriter-Genre zwar oft genau trifft, aber meist weit darüber hinausgeht: Funkiger Rock-Pop in der aktuellen Single „Karma“, wo eine tighte, kompakte Bassline im Vers mehr als genug tanzbares Fundament bildet. Einen gefühligen Rocksong à la Revolverheld mit „Bis ans Ende der Welt“, samt passenden Spannungshöhepunkten. Samtiger Sprechgesang à la Thomas D in „Freier Fall“ – versus tightem Rap ohne Gangster-Allüren in „Zu viel gesagt“. Treibender Rockabilly mit an BAP erinnerndem Shuffle in „Arsch hoch“, der zur motivierenden Aussage passt: „Arsch hoch und raus – Du bist am Leben, also mach was draus!“ Die Surf-Gitarren-Anklänge und Funk-Rock-Parts in „Contenance“, bei denen sich die immer souveränen Hauptstimmen angenehm mischen. Die Produzenten Richard Pappik (Element of Crime u.a.) und Michael Muraurer tragen zu dieser reichhaltigen klanglichen Mischung maßgeblich einen wertvollen Teil bei. Statt dass der Albumtitel Beliebigkeit suggeriert, könnte man konstatieren: so liebevoll zusammengestellt, hitstark und zugleich vielfältig wie ein echtes Mixtape soll diese Platte sein. Mission erfüllt.
„Mixtape“ setzt die hervorragende Entwicklung der vielfältigen und doch einzigartigen musikalischen Handschrift dieses Duos fort, dessen Weg bereits zur Finalrunde des Thüringen Grammy 2016 geführt hat, wo Kimkoi zum besten Live-Act gekürt wurden – eine Ehrung, die ihnen bereits 2013 einmal zuteil wurde, gemeinsam mit dem Hauptgewinn­. 2014 veröffentlichte das live mit Band sehr gefeierte Duo sein Debüt-Album, schlicht „Kimkoi“ betitelt. Mit „Mixtape“ haben Kimkoi und ihre Mitstreiter abermals wirklich ganze Arbeit geleistet, auf allen Ebenen: textlich, sanglich sowie in Sachen stilistischer Vielfalt und Produktion.