NoRMAhl: Indizierung aufgehoben

Presse 02 beschnitten 600Erste Etappe geschafft: Die Indizierungen von Frühwerken der Urpunks NoRMAhl auf dem Album "Ein Volk steht hinter uns", wurde aufgehoben. Das entschied das Verwaltungsgericht Köln am 27. November. 

Ansonsten geht der Siegeszug der Punkheroes weiter: Ihre Konzerte sind umjubelt, und "Söldner" aus dem Album "Friede den Hütten - Krieg den Palästen" schaffte es in die ehrenwerte "Liederbestenliste". Auch sonst sorgt das "vielleicht beste Normahl -- Album" ("Break Out" ) für Furore.

All ddie vergangenen Querelen um indizierungen und ungerechtfertigte Hausduchsuchungen hat die Punklegenden aus Winnenden noch stärker zusammengeschweißt - und mit "Friede den Hütten - Krieg den Palästen"  zu ihrem wohl stärksten musikalischen Manifest geführt. "Für uns ist das mehr als nur eine Platte", sagt Frontmann Lars Besa. Zwölf Songs finden sich auf dem Album. Die eine Hälfte Eigenkompositionen, die andere: raue Variationen von Liedern Marke Mey, Wader oder Kreisler. Und wenn es einen Beweis für das im Musikbusiness so oft strapazierte Wort "Kredibilität" gibt - hier ist er erbracht: Ton für Ton, Zeile für Zeile. "Friede den Hütten..." ist  kein Album zum nebenbei hören. Es fordert, es mahnt: zuhören! Ob zu Selbstkomponiertem wie "Sommer" oder zu Liederperlen wie dem genialen "Narrenschiff" von Reinhard Mey. Aufgenommen in den Reutlinger Atlantis Studios von James Herter, gemastert vom legendären "Samson" ist es schlicht ein Meisterwerk. Was Songs wie "Freiheit" oder "Söldner" eindrucksvoll belegen.

35 Jahre nachdem sie ihr erstes Demo auf das Band eines Kassetten-Rekorders einprügelten und als adoleszente Teenager ihren Frust herauskotzten, krönen die Urgesteine des Deutschpunks ihre Platten-Karriere mit einem satten Linkschuss ins Herz aller konservativen Pegida-Verharmloser.  Mit ihrem neuen Album haben ihre sie Mitte gefunden.  NoRMAhl, die "First Mover":  Sie waren stets die Ersten. Richtig abgesahnt und verkommerzialisiert haben andere.  Nicht zuletzt deshalb werden ihre Songs nicht nur ständig gehört und gestreamt - sondern auch von vielen jungen Punks neu entdeckt. 1980 als Wegbereiter des Deutschpunks tituliert, waren sie 1992 mit "Kein Hass im Wilden Süden" erste ernsthafte Mahner gegen Ausländerfeindlichkeit.  Lange bevor es in Köln schick war Musiker ihre Ärsche erheben zu lassen oder in Frankfurt die Plattenindustrie eine als "Rock gegen Rechts" getarnte Promotion-Party schmiss - und die wahren Helden gegen Hass ignorierte.  Und sie waren stets die Warner - und das auch lange vor den Anti-Pegida-Bewegungen. "Friede den Hütten - Krieg den Palästen"  zeigt es. Ein Jahr konzentrierte Studioarbeit hat sich gelohnt.

Wie groß immer noch ihre Fanbase ist zeigt ein Beispiel vom vorigen Jahr. Nach dem Skandal um die Indizierung eines 31 Jahre alten NoRMAhl-Songs hat eine Welle der Solidarität Deutschlands dienstälteste Punkband erfasst. Fans gründeten eine Facebook-Seite namens "Bullenschweine in die Charts" und hievten den Track zwischenzeitlich sogar auf Platz 1 (!) der Amazon-Rock-Hitliste.   

Auch der deutsche Blätterwald rauschte angesichts dieser überflüssigen Aktion eines übereifrigen Staatsanwalts, die schließlich in konzertierten polizeilichen Hausdurchsuchungen bei den vier Bandmitgliedern endete , die inzwischen zurecht als widerrechtliche Aktion aktenkundig ist. Doch die Revanche folgte bei Fuß:  Nach und nach waren NoRMAhl- Songs und inzwischen drei (!)  komplette Alben, 30 Jahre nach ihrem Entstehen, indiziert worden.  Und so ihrer zeitgeschichtlichen Aufarbeitung entzogen.  Lassen wir uns überraschen, was sonst noch folgt.